Kunstkritik

Kunstkritik "Wandelwerke"
Kunstkritik von
Andrea Knittel, Kunsthistorikerin M.A.
Kunstkritik_Wandelwerke_Roland_Scheel vo[...]
PDF-Dokument [67.0 KB]

Nachhaltigkeit wird definiert als Prinzip, nach dem nicht mehr verbraucht werden darf, als jeweils nachwachsen, sich regenerieren, künftig wieder bereitgestellt werden kann.[1] Die Werkreihe „Wandelwerke“ des Künstlers Roland Scheel greift diesen Gedanken auf und verarbeitet das Prinzip künstlerisch. Mit Hilfe unterschiedlicher Medien und Ausdrucksmitteln werden die Themen Wandel, Recycling und Nachhaltigkeit bearbeitet. Neben Arbeiten auf Papier entstehen auch Installationen. Roland Scheel nimmt dabei auch Bezug auf seinen eigenen Lebens- und Arbeitsort. Der in Essen lebende Künstler bezieht sich auf einen in diesem Gebiet üblichen Industriezweig: Da es in den Zechen die Regel war, den Betrieb in einer 7 Tage Woche aufrecht zu erhalten, soll die Werkreihe „Wandelwerke“ auch 7 Kunstwerke enthalten. Die Kunstwerke nehmen dabei gegenseitig auf sich Bezug. Dieses Konzept ergänzend, nimmt Roland Scheel auch bei der Auswahl seiner Materialien Rücksicht auf deren nachhaltige Herstellung.

 

Der „Wandel“ ist etwas, was in der Kunstgeschichte immer wieder aufgegriffen wird und wurde. Er steht für eine Veränderung von einer Situation in eine andere. Der damit einhergehende Prozess ist also wichtig, er macht vor allem die Zeit für den Betrachter konkret erfahrbar. Die Wandelwerke von Roland Scheel sind Collagen. Im Mittelpunkt steht eine abstrakte Figur, welche durch Worte oder Sätze ergänzt wird. Diese Figur ist auf einem anderen Papier entstanden, wird ausgeschnitten und danach durch Klebebandstreifen auf ein größeres Papier befestigt. Das Klebeband überdeckt dabei teilweise die Figur und wird dabei so angebracht, dass es das abstrakte Gebilde umrahmt. Diese Umrahmung kann locker sein, indem sie Freistellen aufweist. (Wandelwerk 1). Sie kann aber auch die Figur derart umrahmen, dass eine gewisse Einengung für den Betrachter spürbar wird (Wandelwerk 2). Die Collagen werden ergänzt durch auf dem Hintergrundpapier aufgemalte Formen. Sie befinden sich außerhalb der durch das Klebeband entstandenen Umrandung gleich wie die Worte. In den Wandelwerken sind vor allem die Farben blau, rot, schwarz und weiß präsent. Sie stehen dabei teilweise recht kontrastreich nebeneinander und erinnern in Farbe und Form nicht selten an Werke von Joan Miró. Generell leben die Arbeiten von Roland Scheel stark von der Linie, welche durch die Pinselführung entsteht und für den Betrachter gut auszumachen ist. Die Linienführung wirkt dabei durch die Vielzahl an Rundungen dynamisch. Sie lenkt den Blick des Betrachters nachhaltig.

 

In den Werken Roland Scheels ergänzen Bild und Worte einander. Die Worte wurden in Großbuchstaben geschrieben. Konkret lassen sich in den Werken „Friedensarbeit“ (Wandelwerk 1), „Achtsamkeit“ (Wandelwerk 2) sowie „Begreifen = Ergreifen“ und „Du bist ein freudvoller Mensch“ ablesen. Auch hier wird ein Prozess in der Darstellung ersichtlich: Sind die Buchstaben im ersten Werk noch teilweise mit leeren Stellen versehen, sind diese im 2. Werk bereits ausgefüllt und in Wandelwerk 3 werden teilweise Worte wie „freudvoller“ mit schwarzer Linie unterstrichen und Begreifen = Ergreifen mit besonders starker Farbe hervorgehoben.

 

Neben Papierarbeiten stellt Roland Scheel auch Installationen in dieser Werkreihe her. Hierbei werden in Essen an diversen Orten Kunst ausgestellt. In diesen Installationen kombiniert Roland Scheel Gegenstände des Alltags wie Gartenzwerge, Steine unterschiedlicher Art, Holzstiele und Äste, einen bepflanzten Blumenturm usw. mit zweidimensionalen Werken. Auf einer Tafel fragt er ganz direkt „Bist du Banane?“. Er greift dabei Ideen aus der Konzeptkunst auf, die eine verändernde Gestaltung der Umwelt betonen, um den Prozesscharakter der Realität als Wandlung in Erscheinungen und Handlungen bewusst zu machen. Gleichzeitig löst er so auch die Rezeption seiner Werke von kunstaffinen Einrichtungen und lässt den Betrachter aus einer breiteren Öffentlichkeit daran teilhaben.

 

Zusammenfassend wendet sich Roland Scheel in seiner Werkreihe „Wandelwerke“ direkt an den einzelnen Betrachter. Er versucht mit Collagen, Installationskunst und Gegenstände des Alltags den Betrachter direkt anzusprechen und geht dabei von einem breiteren Spektrum an Rezipienten aus. In seinen Collagen kombiniert er Worte und Sätze mit abstrakten Formen, deren Beschränkung er immer wieder durch Klebeband erstellt. Gerade seine schriftlichen Aussagen sprechen den Betrachter selbst direkt an. Es handelt sich daher um Werke bei deren Bewertung der Prozess eine wichtige Rolle spielt. Der Prozess ist einerseits auszumachen bei einer in seinen Werken von einem Werk zum anderen zu erkennenden Entwicklung. Prozess ist anderseits auch im Sinne eines Wandels im Betrachter zu erkennen, welchen er versucht, mit seinen Kunstwerken anzustoßen, indem er Ideen und Aussagen in seinen Werken bildlich und mit Hilfe von Schlagworten transportiert.

 

[1]     https://www.duden.de/rechtschreibung/Nachhaltigkeit [23.07.2020].

 

Quelle: Andrea Knittel, Kunsthistorikerin M.A., 2020

„Es [Dein Gedicht »Der Sommer«] erinnert mich an Gustav Sack oder auch August Stramm.
Kurz habe ich darüber nachgedacht, um eine Abgrenzung zu jenen Expressionisten deutlich zu machen, ob mir darin nicht ein Wort fehle, das für unsere Zeit steht, meinetwegen Smartphone, Corona oder Ferrari.
Aber ich bin nicht sicher, ob ich damit richtig liege …“

 

Ingo Munz, Geschichten, Romane, Poesie der Gegenwart,

unabhängig – frei – echt

LIEBE
"Der Sommer", 2020
Kunstkritik.pdf
PDF-Dokument [115.6 KB]
Platon in der Höhle, September 2020

"

Was bedeutet "Wandel in Farbe" konkret im Kontext des Handelns?

 

  • Umstellung auf umwelt-freundliche Farbe im Jahr 2019
  • Verwendung von Recycling-papier.

 

...

https://www.unperfekthaus.de/projekte/oekopower-recycling

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Dipl.-Kfm. (FH) Roland Scheel-Rübsam